Bemerkenswert

Willkommen auf Kastaliablog

Mein Blog über Hesses „Glasperlenspiel“

Kastalia: Das ist jene Nymphe der griechischen Mythologie, die sich auf der Flucht vor Apollon in eine Quelle nahe Delphi stürzte. Diese ist noch heute nach ihr benannt. Das Wasser der Kastalischen Quelle steht für poetische Inspiration.

Ursprung dieses Blogs ist „Das Glasperlenspiel“, Hermann Hesses berühmtes Spätwerk. „Kastalien“ heißt darin jene Provinz, in der die Glasperlenspieler ausgebildet werden. Hauptsächlicher Inhalt des Romans ist die „Lebensbeschreibung“ des Glasperlenspiel-Meisters Josef Knecht. Was macht dessen Leben so erzählenswert? Wie kann man sich dieses Kastalien vorstellen? Und was ist eigentlich das Glasperlenspiel? Diesen und anderen Fragen werde ich in den nächsten Wochen auf diesem Blog nachgehen.

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Epilog: Was ist das Glasperlenspiel?

Mindestens eine Antwort bin ich euch noch schuldig. Es ist die auf die Frage, die ich bereits ganz am Anfang gestellt und um deren ausführliche Beantwortung ich mich nun also bis ganz zum Schluss gedrückt habe: Was ist eigentlich das Glasperlenspiel? Zu meiner Entlastung sei gesagt, dass diese Frage alles andere als leicht zu beantworten ist. Der Roman gibt nämlich nur bedingt Auskunft über die konkrete Beschaffenheit des Glasperlenspiels. Entsprechende Hinweise muss man sich bei der Lektüre detektivisch zusammensuchen. Ich habe das getan, ‚damit ihr es nicht selbst tun müsst‘ 😉

Über den Ursprung des Glasperlenspiels aus der Musiktheorie hatte ich bereits geschrieben. Aus der studentischen Fingerübung entwickelte sich – wie in der Einleitung nachzulesen – eine „Zeichen- und Formelsprache“, die mit der Zeit immer mehr Kunst- und Wissenschaftsformen zu einer „Universalsprache“ zusammenführte (ein Schelm, wer hier den Traum der Frühromantiker von einer „progressiven Universalpoesie“ wiedererkennt 🙂 ). Dieses „Spiel der Spiele“ kombiniert „nach musikalischen oder mathematischen Regeln“ Formeln, Themen und Motive aus den unterschiedlichsten Bereichen und ordnet sie nach dem Willen des Glasperlenspielers. Josef Knecht nennt es „eine universale Sprache und Methode, um alle geistigen und künstlerischen Werte und Begriffe auszudrücken und auf ein gemeinsames Maß zu bringen.“

Die Technik des Glasperlenspiels baut also im Wesentlichen auf Analogien, die nach künstlerischen Prinzipien ausgeführt werden. Als Beispiele werden das Thema einer klassischen Fuge, eine astronomische Konstellation oder die Formel eines Naturgesetzes genannt. Diese ganz unterschiedlichen Elemente treten zueinander in Beziehung, Zusammenhänge sollen sichtbar, erlebbar werden. Dabei betritt das Spiel die Gebiete der Esoterik und Spiritualität. Josef versteht es in seiner Studienzeit demgemäß als Weg ins „Innerste der Welt“, wie ich hier bereits erwähnte. Man könnte das Glasperlenspiel also als eine übergreifende Erkenntnisform begreifen, die symbolische Beziehungen zwischen den ‚Dingen‘ herstellt.

Dennoch ist es – laut Thomas von der Trave – kein Instrument der Philosophie oder gar der Religion. Das Spiel sei „eine eigene Disziplin und im Charakter am meisten der Kunst verwandt“, es sei „eine Kunst sui generis“. Ich denke, man kann sich das am Beispiel des Ausdruckstanzes vor Augen führen, der nach 1900 zu einer eigenständigen Kunstform wurde und nicht mehr an äußere Zwecke – etwa den der Unterhaltung – gebunden war. (Randnotiz: Wenn ihr euch für Ausdruckstanz interessiert, schaut euch mal die Schlussszene des Romans an 😉 ) Wie andere Kunstformen auch besitzt das Glasperlenspiel einen Stoffkanon, der beständig erweitert wird – in Waldzell existiert zu diesem Zweck ein Archiv, in das auf Antrag neue Stoffe aufgenommen werden können. Außerdem gibt es unterschiedliche Spielarten – wie das „formale“ und das „psychologische Spiel“. Letzteres legt besonderen Wert auf die Meditation und soll durch diese „zum Erlebnis des Vollkommenen und Göttlichen“ führen. Das Ziel ist stets das Stiften von „Einheit und Harmonie“.

Den Höhepunkt des Jahres – sozusagen die Salzburger Festspielwochen von Kastalien – stellt das „Jahresspiel“ dar. Es wird vom Glasperlenspiel-Meister vorbereitet und durchgeführt. Am Anfang des achten Kapitels gibt es eine ungefähre Schilderung des Ablaufs: Der Magister Ludi eröffnet das Spiel mit „rituellen Gebärden“ und schreibt Zeichen auf eine „kleine Tafel“, die in die „Spiel-Chiffernschrift“ übersetzt und an eine Wand projiziert werden. Die Anwesenden sprechen die Zeichen nach, Fernmelder übermitteln sie „ins Land und in die Welt hinaus“. (Das ist wohl die einzige Stelle im Buch, an der angedeutet wird, dass technische Gerätschaften am Spiel beteiligt sind.) Am Ende eines Aktes schreibt der Magister eine zusammenfassende Formel auf und leitet über zur anschließenden Meditation, an der sich alle „Gläubigen des Glasperlenspiels“ beteiligen. Es hat etwas von einer Papstmesse mit buddhistischem Einschlag.

Ich fasse zusammen: Das Glasperlenspiel ist eine universelle Kunstform, deren Einübung und Vermittlung einem elitären Zirkel vorbehalten ist (daher auch die übertragene Bezeichnung ‚ein Glasperlenspiel für Eingeweihte‘ für etwas, das sich dem allgemeinen Verständnis entzieht). Es setzt Elemente aus diversen Kunst- und Wissensbereichen symbolisch zueinander in Beziehung und erzeugt im besten Fall ein Erlebnis vollkommener Harmonie. In Hesses utopischer Provinz Kastalien wird es wie eine heilige Messe zelebriert.

Gelbe Lichter
Foto: Michał Grosicki via Unsplash, Lizenz: CC0 Public Domain

Damit endet meine knapp viermonatige Reise durch die Welt Kastaliens. Glückwunsch an alle, die sich ebenfalls durchgebissen haben! Wer Lust hat, kann sich gern in einem Kommentar über Sinn und Unsinn dieser Utopie auslassen 🙂

Abschied von Kastalien oder die Suche nach dem Menschsein

Den Schluss des Romans könnte man unter der Selbstaussage Josef Knechts zusammenfassen, dass er „nicht nur ein Kastalier, sondern auch ein Mensch sei“. Er beruft sich hierbei auf seine „Lehrzeit bei Pater Jakobus“, also jene Jahre in Mariafels, als ihm zum ersten Mal bewusst wurde, dass Kastalien nur ein Teil der Welt („ein Weltchen in der Welt“, wie es im Schlusskapitel heißt) sei und somit auch seine Geschichte habe, die von der Weltgeschichte nicht loszulösen sei. Als letzte Konsequenz dieser Erkenntnis beschließt er, sein Amt niederzulegen und die Provinz zu verlassen, um das Leben in der Welt außerhalb kennenzulernen.

Spread your wings
Foto: Eric Wüstenhagen via Flickr, Lizenz: CC BY-SA 2.0

Josefs Credo, dass „die ganze Welt [ihn] angehe“, erinnert mich an den Wahlspruch der Humanisten: „Homo sum, humani nihil a me alienum puto.“ (Ich bin ein Mensch, nichts Menschliches sei mir fremd.) Der Satz stammt aus einem Stück des römischen Komödiendichters Terenz, der sich wiederum bei dem griechischen Dichter Menander bediente. Es gibt dazu einen interessanten Artikel, der die Rezeption dieses Satzes an Beispielen von Cicero bis Thomas Mann nachverfolgt. Worauf ich an dieser Stelle hinauswill: Für meine Begriffe begibt sich Josef auf eine gewissermaßen humanitäre Mission – er möchte sich nämlich der Erziehung von Plinios Sohn Tito widmen.

Dem Freund hatte er erklärt: „Was ich suche und brauche, ist eine einfache, natürliche Aufgabe, ein Mensch, der mich braucht.“ Plinio kam dieser Wunsch sehr gelegen, und so war man sich einig. Viel schwieriger hat es Josef, sein Vorhaben der kastalischen Behörde begreiflich zu machen. Denn es gibt keinen Präzedenzfall. Das schriftliche Gesuch wird von der Erziehungsbehörde so beantwortet: „Was würde aus Kastalien, wenn jeder seine Person, seine Gaben und Eignungen selber einschätzen und sich seinen Posten danach aussuchen wolle!“ Ein Magister Ludi, der sein Amt niederlegt und als einfacher Schulmeister in die Welt hinauszieht, verstößt gegen jegliche Konventionen der geistigen Provinz.

Dennoch bricht Josef auf, nicht ohne jedoch seinem Freund Fritz Tegularius durch die Blume Lebewohl zu sagen. An dieser Stelle kehren die „Stufen“ wieder, jenes Gedicht, in dem es heißt: „Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten“. Während Fritz seine aufrichtige Meinung zu dem Jugendgedicht seines verehrten Freundes äußert (und damit natürlich Hesses Selbstkritik 😉 ), ahnt er nicht, dass Josef mit diesen Worten seines früheren Ichs Abschied von ihm nimmt. Der Magister selbst zieht in einer Meditation Bilanz:

„Derselbe strenge, klare, eindeutige, geradlinige Pfad, der ihn nach Waldzell, nach Mariafels, in den Orden, in das Magisteramt geführt hatte, der führte ihn nun wieder hinaus.“

Das Gefühl, das ihn antreibt, dürfte vielen von uns bekannt sein. Es ist der Wunsch nach einem Neuanfang, das Ende eines Lebensabschnitts, ein Überschreiten der gegenwärtigen Lebensstufe und „Hinüberwechseln in einen neuen Raum“. Das Erlebnis, das zu diesem Entschluss führt, nennt Josef „Erwachen“. Dass ihn dieses nun, da er sich im Zentrum Kastaliens befindet, an dessen äußerste Peripherie ruft, ist für ihn kein Widerspruch. Er glaubt sich auf dem Weg „in den Mittelpunkt der eigenen Person“, zu dem, was er für seine Bestimmung hält.

Mit dieser Überzeugung tritt Josef dem Vorsitzenden der Behörde gegenüber und stellt diesen vor vollendete Tatsachen. Es kommt zu einem verbalen Tauziehen. Der Waghalsige erklärt, er habe Waldzell „für immer verlassen“ und sei „hungrig nach Wirklichkeit, nach Aufgaben und Taten, auch nach Entbehrungen und Leiden“. Der überraschte Vorsitzende wirft ihm Fahnenflucht und „ein Zuviel an Gefühl für [die] eigene Person“ vor, bietet ihm allerdings die Möglichkeit eines Urlaubs an. Josef ist jedoch zu keinem Kompromiss bereit. In diesem Zusammenhang fällt die Aussage, dass er nicht nur Kastalier, sondern auch Mensch sei – womit er indirekt sagt, dass innerhalb der Grenzen Kastaliens kein vollständiges Menschsein möglich sei.

Nach aller Kritik am kastalischen System, der Josef sich zu unterschiedlichen Zeiten erwehren musste, ist dies das wohl vernichtendste Zeugnis, das er selbst dem „kleinen Staat des Geistes“ ausstellen kann. In der behüteten Provinz findet er offenbar keinen Ort, an dem Goethes berühmte Worte: „Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein“ eine Berechtigung fänden. Ob er außerhalb Kastaliens einen solchen Ort findet? Nun, lest selbst! 🙂

 

„Flammen der Welt“ und die Heiterkeit des Geistes

In meinem fünften Beitrag habe ich euch Josef Knecht und Plinio Designori als Vetreter zweier konträrer Welten vorgestellt – der kastalischen Welt des Geistes und der nichtkastalischen Außenwelt, die in dem für Hesse typischen Dualismus dem Pol der Natur zugeordnet ist.

Designori, der frühere Hospitant an der Eliteschule der Glasperlenspieler, kehrt nach Jahrzehnten nach Kastalien zurück – als Mitglied einer „Regierungskommission zur Kontrolle des kastalischen Haushaltes“. Er erscheint Knecht, dem einstigen Schulfreund und Gegenspieler, völlig verändert in seinem Wesen: An die Stelle der „Angriffslust“ und „Offenheit“ ist eine „Gedrücktheit“ und „Welttraurigkeit“ getreten. So begegnen sich beide unter ganz neuen Vorzeichen, aber mit erstaunlich ähnlichen Sorgen. Während Josef „sein Amt als eine große Behinderung in der Entfaltung seiner besten und fruchtbarsten Fähigkeiten“ empfindet, sieht Plinio sein Vorhaben, in seinem Leben „Kastalien und die Welt zusammen[zu]bringen und [zu] versöhnen“, als „gescheitert“.

Vielleicht seid ihr selbst mit ähnlichen Gegensätzen vertraut: Ihr hättet zum Beispiel gern einen Job, der mehr euren Fähigkeiten entspricht und diese weiterentwickelt, aber eure jetzige Stelle verspricht euch viel mehr Sicherheit; ihr habt etwas studiert, für das ihr euch begeistern konntet, aber ihr könnt dieses Interesse nicht weiterverfolgen, weil Leben und Arbeitsmarkt etwas Anderes von euch verlangen; ihr hattet Ziele und Ideale, doch die Realität hat sie aufgeweicht und euch in Widersprüche verstrickt … Wie schafft ihr es, solche Gegensätze zu vereinen?

Das Leben besteht aus Kompromissen. Plinio hat in der Welt außerhalb Kastaliens unzählige davon eingehen müssen, er war gezwungen sich anzupassen und verzichtete zum Beispiel auf die Meditation. Nach der zwischenzeitlichen Wiederbegegnung mit Josef in Waldzell war er so enttäuscht, dass er dem Glasperlenspiel den Rücken kehrte. Er, der sich als Vermittler zwischen den beiden Welten gesehen hatte, war in keiner von beiden mehr zu Hause. Er flüchtete sich in den Exzess und begann, „alle erreichbaren Betäubungsmittel“ zu konsumieren. Er überwarf sich mit seinem konservativen Vater, schloss sich einer oppositionellen Partei an und gründete seine eigene, bürgerliche Familie – ohne damit glücklich zu werden. Und nun steht er wie ein verlorener Sohn wieder an der Pforte Kastaliens.

Pforte in Blau
Foto: Oumaima Ben Chebtit via Unsplash, Lizenz: CC0 Public Domain

Josef sehnt sich ebenso „nach einer sich öffnenden Pforte“. Er ist über sein Amt hinausgewachsen und hält es nunmehr für Kastaliens „oberste und heiligste Aufgabe (…), dem Lande und der Welt ihr geistiges Fundament zu erhalten“. Gleichzeitig zeigt sein Wunsch, außerhalb der Provinz als Lehrer zu wirken, dass es ihm auch um das weltliche Fundament Kastaliens geht, das schließlich auf Nachwuchs und Versorgung angewiesen ist. Er möchte also genauso zwischen den Welten vermitteln und seine Fähigkeiten dafür einsetzen, dass sich die Gegensätze nicht zu weit voneinander entfernen. Ob er dafür Kompromisse eingehen muss, wird das letzte Kapitel des Buches zeigen.

Die beiden treffen sich von zwei unterschiedlichen Seiten her, doch ergänzen sich dabei wie Yin und Yang. Was der eine nicht hat, findet er beim anderen. Zunächst ist Plinio an der Reihe. Im Gespräch mit dem Magister Ludi wird er als emotional, „verwirrt“, „zögernd“ und „gequält“ beschrieben. Josef dagegen wirkt gelassen, „nicht im mindesten erregt“ und begegnet dem anderen freundlich, aber bestimmt. Er erscheint als der eindeutig Überlegene. Und er zeigt Plinio, was diesem abhanden gekommen ist: das Ideal der Heiterkeit. Hier nun lese ich Hesses Plädoyer für die schönen Künste heraus:

„Diese Heiterkeit ist weder Tändelei noch Selbstgefälligkeit, sie ist höchste Erkenntnis und Liebe, ist Bejahen aller Wirklichkeit, Wachsein am Rand aller Tiefen und Abgründe (…). Sie ist das Geheimnis des Schönen und die eigentliche Substanz jeder Kunst.“

Die Heiterkeit der Kunst soll dabei helfen, die Gegensätze zu überbrücken – oder besser gesagt mit Hesses Worten: „als die Pole einer Einheit“ zu begreifen. Vor allem die Musik hat es Josef bekanntermaßen angetan. Für ihn ist sie „ein heiteres, lächelndes Schreiten und Tanzen mitten durch die Schrecken und Flammen der Welt“. Zum Schluss gibt er seinem Freund folgenden Rat:

„Der Blick in den Sternenhimmel und ein Ohr voll Musik vor dem Zubettgehen, das ist besser als alle deine Schlafmittel.“

Sternenhimmel
Foto: Caleb Woods via Unsplash, Lizenz: CC0 Public Domain

Josef Knecht als Magister Ludi

Ich werde jetzt das Wagnis eingehen, fast 150 Seiten des Buches in zwölf Zeilen zusammenzufassen: Josef Knecht kehrt nach Waldzell zurück, wo er nach dem plötzlichen Tod von Thomas von der Trave zum Glasperlenspiel-Meister ernannt wird. Er findet sich in sein Amt ein, lernt das Private davon zu trennen, so sehr, dass er dieses beinahe vernachlässigt. Er versteht Kastalien vom Innersten her, nimmt dessen Fragilität und Vergänglichkeit wahr. In seinem Freund Fritz Tegularius sieht er den weltfremdesten Typus des kastalischen Menschen verkörpert. Er dagegen verspürt „ein brennendes Verlangen nach Welt, nach Menschen, nach naivem Leben“. Da trifft es sich gut, dass sein alter Schulfreund Plinio Designori wiederkehrt, dem er seinen Plan, das Amt des Glasperlenspiel-Meisters niederzulegen, anvertrauen kann.

So weit die Kurzfassung. Einen Punkt möchte ich herauspicken und zugleich ein Thema fortsetzen: Josef als Lehrer. Er steigt ungewöhnlich früh – „noch kaum vierzig“ – zum Magister Ludi auf, dem Glasperlenspiel-Meister, dessen Amt eine Mischung aus Schul- und Zeremonienmeister darstellt. Aus dem Schüler wird also nun endgültig ein Lehrer. Dabei entdeckt er, dass es ihm leicht fällt, zu lehren – er entwickelt eine „Freude am Erziehen“. Das heißt, er bildet junge Menschen heran; er bringt ihnen nicht nur das Glasperlenspiel bei, sondern leistet noch etwas viel Wichtigeres: Er formt ihren Charakter.

Es geht ihm also nicht einfach nur um Wissensvermittlung und die Herausbildung intellektueller Fähigkeiten; es geht ihm vor allem um die Vervollkommnung der individuellen Kräfte seiner Schüler. Damit verfolgt er ein Bildungsideal, das dem Wilhelm von Humboldts in Teilen gleichkommt (Humboldt wurde übrigens am 22. Juni 1767 geboren :)). Da das Glasperlenspiel seinem Anspruch nach eine universelle Verbindung aus Kunst und Wissenschaft ist, lässt sich hier auch von einer ganzheitlichen Ausbildung reden – mit der Einschränkung, dass eine Art „Weltbürgertum“ in Kastalien unmöglich ist. Humboldt schrieb zum Beispiel:

„Soviel Welt als möglich in die eigene Person zu verwandeln, ist im höheren Sinn des Wortes Leben.“

Die Kastalier haben nur ihre Welt des Geistes, ihre Bildung muss also einseitig bleiben. Sie enthalten sich bewusst der Erforschung der Weltgeschichte und beteiligen sich nicht an ihr. Sie haben keine politischen, ökonomischen oder gar ökologischen Ziele (wobei ihre Art des Reisens sehr umweltschonend ist, da sie hauptsächlich zu wandern scheinen). Es fehlt ihnen deshalb an Leben, doch bedauern die meisten dies nicht und leiden nicht darunter. Sie vertreten stattdessen das geistige Prinzip.

Anders Josef Knecht: Er spürt, dass ihm etwas fehlt; während seiner Amtszeit wird es ihm immer schmerzlicher bewusst. Seinen Mangel an Leben weiß er nicht anders zu kompensieren als durch die Ausbildung und Erziehung seiner Schüler. Bis ihm ein alter Freund neue Möglichkeiten eröffnet …

Man darf jedoch nicht behaupten, dass Josef sich von Kastalien entfremden würde. Das kastalische Leben birgt andere Ideale, es will die Vervollkommnung auf nichtweltlicher Ebene erreichen, zum Beispiel mithilfe der Meditation. Beim Meditieren kommt Josef auch zu einer Erkenntnis, die das Verhältnis von Meister und Schüler betrifft: Dieses erscheint ihm als „Rundlauf“, als ein „Werben der Weisheit um die Jugend, der Jugend um die Weisheit“ – und dies wiederum als „Symbol Kastaliens“, ja für „das Spiel des Lebens überhaupt“. Der Meister nimmt also nicht schon innerlich Abschied von Kastalien, sondern gelangt im Gegenteil zu einem tieferen Verständnis der Ideale kastalischer Bildung.

In diesem Zusammenhang ist interessant, was Hermann Hesse 1929 in seinem Büchlein „Eine Bibliothek der Weltliteratur“ schrieb:

„Echte Bildung ist nicht Bildung zu irgendeinem Zwecke, sondern sie hat, wie jedes Streben nach dem Vollkommenen, ihren Sinn in sich selbst.“

„Bildung“ ist für Hesse demnach „ein Streben (…) nach geistiger und seelischer Vervollkommnung“, „ein beglückendes und stärkendes Erweitern unseres Bewußtseins, eine Bereicherung unsrer Lebens- und Glücksmöglichkeiten“. Im Vergleich zu Humboldt betont Hesse also viel stärker den privaten Aspekt von Bildung: Sie erweitert den eigenen Horizont und hilft uns, glücklicher zu werden – solange sie mit einer gewissen Hingabe geschieht, wie dieses berühmte Zitat aus derselben Schrift verdeutlicht:

„Bildung ohne Herz ist eine der schlimmsten Sünden gegen den Geist.“

Und so wird auch verständlich, welche Gefahr Josef Knecht sieht: dass nämlich die Kastalier das Herz vergessen, ihre aktive Hingabe an das geistige Leben, ihre Liebe zur Weisheit. „Selbstgenuß und Selbstlob“ wird er später an ihnen kritisieren. Als Richtschnur hält er einen gesunden Ausgleich zwischen (geistiger) Aktivität und Kontemplation dagegen. Hiermit verweist Hesse auf den alten Gegensatz von Vita activa und Vita contemplativa – aber das ist ein anderes Thema.

Zum Abschluss hier etwas Heiter-Kritisches, auf das ich bei der – diesmal eher glücklosen – Bildersuche gestoßen bin:

Humboldtsche Bildung
Comic: Daniel Al-Kabbani via Flickr, Lizenz: CC BY-ND 2.0

Kritische Worte an den Verfasser

Herr Hesse, es bedarf einmal eines ehrlichen Wortes: Sie haben ein überaus tiefsinniges, aber auch äußerst zähes Buch geschrieben. Ja, ich weiß, es hat an die 13 Jahre gedauert, es fertigzustellen. Das merkt man diesem Opus magnum auch an. Und das meine ich nicht allein im positiven Sinne. Je weiter ich voranschreite, taste, wühle, desto mehr fällt mir auf, dass sich Themen wiederholen, ja dass ich an manchen Stellen das Gefühl habe, sie bereits gelesen zu haben.

Rotstift und Buch
Foto: Leticia Roncero via Flickr, Lizenz: CC BY-NC 2.0 (aufgehellt)

Und dann diese immergleiche, langatmige Sprache! Sicher, es gibt noch viel Schlimmeres. Gegen Günter Grass‘ Fabulierkunst sind Ihre Sätze eine Wonne. Doch bei aller Liebe zur Kunst, ich hätte da ein paar Fragen an Sie als Autor:

  1. Was ist das für ein altmodischer Erzähler? Der Roman soll in der Zukunft spielen, klingt aber wie aus dem 19. Jahrhundert. Auch der Stand der Technik hat sich zurückentwickelt. Alles irgendwie Moderne scheint nicht zu existieren: keine Eisenbahn, keine Automobile, keine Telegrafen, lediglich von „Fernmeldern“ ist beiläufig die Rede. Das mag alles der höheren Idee, der abstrakten Wahrheit des ‚Geistes‘ geschuldet sein, wirkt aber fantasielos und unzeitgemäß. Im „Steppenwolf“ haben Sie doch bewiesen, dass der ‚Geist‘ mit der Zeit gehen kann. Warum nicht auch hier?
  2. Wieso sprechen alle Figuren dieselbe angestaubte Sprache? Die charakterlichen Unterschiede der einzelnen Figuren werden in Ihrem Buch immer nur behauptet, aber nie zur Anschauung gebracht. Das liegt vor allem daran, dass sie – wenn sie denn überhaupt zu Wort kommen – stets die gleiche Ausdrucksweise an den Tag legen, und zwar die des Erzählers. Ihr verehrter Zeitgenosse Thomas Mann verstand es meisterlich, seinen Figuren eine eigene Sprache zu geben. Sie, Herr Hesse, hatten daran offenbar kein Interesse.
  3. Wo sind die Frauen? Kastalien erhält seinen ‚Nachwuchs‘ aus den weltlichen Schulen. Es werden jedoch nur Jungen ausgewählt. Mädchen würden schließlich bloß stören! So jedenfalls liest sich ein Satz wie: „die Gefahr, sich an Frauen oder an sportliche Exzesse zu verschwenden, ist [für den kastalischen Studenten] nicht eben groß.“ Liebe und Sport werden also dem Geist geopfert? Nicht ganz: „Da es für die Kastalier keine Ehe gibt, gibt es auch keine auf die Ehe hin gerichtete Liebesmoral.“ Kastaliens Bildungselite muss demnach nicht in Entsagung leben. Fragt sich nur, wo die Frauen zu finden sind. Auf 400 Seiten Lebensbeschreibung kommt sage und schreibe eine (!) Frau vor – die Ehefrau von Plinio Designori. Herr Hesse, Sie und die Frauen: Da war doch was?
  4. Wenn in der Provinz Kastalien der Personenkult verpönt ist, warum wird dann so viel Aufhebens um den Glasperlenspiel-Meister gemacht? Der Chronist versucht diesen Einwand bereits auf der ersten Seite zu entkräften; überzeugt hat er mich damit nicht. Dazu kommt: Für Josef ist der sterbende Alt-Musikmeister „ein Heiliger und Vollendeter“. Dessen letzter Schüler, ein Musikstudent namens Petrus, wird am Tod des Meisters gar irre – Symptome einer übertriebenen Verehrung der Schüler für ihre Lehrer, die in Kastalien nicht selten zu sein scheint. Jugendliche Rebellion? Fehlanzeige. Wo ist der Konflikt mit der Autorität, der einst in Ihren Schülerromanen spürbar war?
  5. Und noch etwas Sprachliches: Nirgendwo habe ich bisher so oft die Wendung „je und je“ gelesen. Sie scheint geradewegs aus der Lutherbibel zu stammen – und genau dort gehört sie auch hin. Ich empfehle Ihnen, Herr Hesse, in diesen Belangen für mehr Abwechslung zu sorgen – nur so als Schreibtipp am Rande.

Im Übrigen lese ich eifrig weiter – so gut es geht. Die Mühe wird auch „je und je“ belohnt, denn es ist eben auch ein tiefsinniges Buch, das Sie geschrieben haben. Ich freue mich schon auf den erneuten Schlagabtausch zwischen Josef und Plinio, fürchte mich aber zugleich vor allzu gestelzter Rhetorik.

Ihr kritischer Leser

Was Josef Knecht im Benediktinerkloster lernt

Am Ende des dritten Kapitels wird Josef in den Orden der Glasperlenspieler aufgenommen. Dies bedeutet „das Ende seiner Freiheit“ und seine „Einreihung in die Hierarchie“ Kastaliens. Vom amtierenden Magister Ludi Thomas von der Trave – ohne Zweifel eine Anspielung auf Thomas Mann – erhält er seinen ersten Auftrag: Er soll im Benediktinerkloster Mariafels außerhalb von Kastalien das Glasperlenspiel lehren. Schon bald wird ihm jedoch klar, dass „man ihn wohl weniger zum Lehren hierhergeschickt habe als zum Lernen“.

Bücherregal
Foto: Roman Kraft via Unsplash, Lizenz: CC0 Public Domain

Josef trifft dort nämlich auf den gelehrten Pater Jakobus, den „bedeutendste(n) Geschichtsschreiber des Benediktinerordens“. Der etwa 60-Jährige bringt seine Tage im Inneren der Klosterbibliothek zu, wo er einen eigenen kleinen Raum mit einem Studiertisch besitzt. Abends spielt er in seinem Zimmer in einem abgelegenen Seitenflügel des Gebäudes auf dem Klavier. Hier kommen die beiden erstmals ins Gespräch.

Jakobus hat keine hohe Meinung von der kastalischen Erziehung. Er unterstellt ihr „Wirklichkeitsferne“, die „Neigung zu spielerischer Abstraktion“ und „den völligen Mangel an geschichtlichem Sinn“:

„Ihr Mathematiker und Glasperlenspieler (…) habt euch eine Weltgeschichte zurechtdestilliert, die bloß noch aus Geistes- und Kunstgeschichte besteht, eure Geschichte ist ohne Blut und Wirklichkeit“.

Und wieder treffen zwei Welten aufeinander – diesmal sind es die zweier unterschiedlicher Orden und deren Auffassungen von Gelehrsamkeit. Die Rollen scheinen klar verteilt: Jakobus, der deutlich Ältere, lehrt den Jüngeren, dass „Geschichte treiben (…) kein Spaß und kein verantwortungsloses Spiel“ ist; Josef bewundert den Pater, akzeptiert ihn als Lehrmeister, ist jedoch gefestigt genug, um mit ihm in einen fruchtbaren Dialog zu treten. Nach und nach wird der Schüler auch zum Lehrer und weckt bei dem Benediktiner mehr und mehr Verständnis für die kastalische Ordnung – wenngleich der Widerspruch im Umgang mit der Geschichte bestehen bleibt.

Insgesamt an die drei Jahre dauert dieses gegenseitige Lehren und Lernen. Der Pater, über die Struktur Kastaliens und die Ideen des Glasperlenspiels aufgeklärt, bekundet seinen Respekt, rückt jedoch nicht von seiner grundsätzlichen Skepsis ab:

„Ihr seid große Gelehrte und Ästhetiker, ihr Kastalier, ihr messet das Gewicht der Vokale in einem alten Gedicht und setzt seine Formel zu der einer Planetenbahn in Beziehung. Das ist entzückend, aber es ist ein Spiel.“

Die Kastalier stellen für ihn „eine Kaste, einen aparten Züchtungsversuch“ dar; was ihnen fehle, sei ein „wirkliche(s) Wissen vom Menschen“. – Diese Kritik ist, wie schon die von Plinio Designori, keineswegs von der Hand zu weisen. Jedoch wird sie von einem katholischen Kleriker geäußert und ist darum nicht als ein Plädoyer für Weltlichkeit zu verstehen. Josef nimmt sie vielmehr als Ergänzung und Relativierung seines kastalischen Weltbildes auf. Er lernt bei Jakobus den Wert der Geschichtswissenschaft kennen; die Geschichte wird ihm lebendig und – was ihn in seiner persönlichen Entwicklung sicherlich am meisten beeinflusst – sein eigenes Leben wird zu Geschichte.

Wir sind es gewohnt, unsere Gegenwart als geworden und veränderlich zu begreifen. Die Begegnung Josefs mit dem Pater Jakobus bestätigt noch einmal: Die kastalische Elite hat kein solches Bewusstsein. Sie lebt wie in einer Kapsel, „in einer politischen Unschuld und Ahnungslosigkeit“, wie es an einer Stelle im fünften Kapitel heißt. Insbesondere der Kreis der Glasperlenspieler lässt nichts Aktuelles in seine Mitte, was sein „gelehrt-artistische(s) Dasein“ stören würde. Josef erkennt diese ahistorische und apolitische Haltung als Schwäche. Bei Jakobus erfährt er von den historischen Wurzeln Kastaliens und damit auch von seinem eigenen Ort in der Weltgeschichte – an dem er schneller als gedacht die nächste Stufe erreichen wird.

Weltgeheimnis und Lebensläufe – Studieren in Kastalien

Wie ist es, in Kastalien Student zu sein? Es ist anders als bei uns: Erst mal ist Josef Knecht am Ende seiner Schulzeit bereits 24. Dann geht er nicht etwa an eine bestimmte Universität oder Hochschule (die hat er mit Waldzell im Prinzip schon hinter sich), sondern widmet sich seinen selbstgewählten Studien – in seinem Fall heißt das: Er erforscht das Schema eines einfachen Übungsspiels mit all seinen Bestandteilen und Bezügen, eine Aufgabe, die ihn über Jahre hinweg einnimmt. Außerdem lernt er Chinesisch (gut, das machen heute auch viele) und besucht einen Eremiten (das aber wohl eher die wenigsten). Alles, um die Weisheit des Glasperlenspiels zu durchdringen.

Meditation im Grünen
Foto: Mitchell Joyce via Flickr, Lizenz: CC BY-NC 2.0

Ein ausschweifendes Studentenleben? Fehlanzeige. Dennoch genießen die Kastalier in ihrer Studienzeit die für sie größtmögliche Freiheit. Es ist ein eigenverantwortliches Studium, das sie je nach Neigungen und Interessen betreiben dürfen. Sie müssen einzig jedes Semester einen individuellen Studienplan vorlegen; der Besuch von Seminaren ist nicht verpflichtend, er geschieht nach eigenem Ermessen. Darüber hinaus sind sie angehalten, jedes Jahr einen neuen „Lebenslauf“ zu verfassen. Damit ist keine tabellarische Übersicht gemeint, wie wir sie aus Bewerbungsschreiben kennen; es geht noch nicht einmal um die eigene, einmalige Biografie (die in der hierarchischen Ordnung Kastaliens ohnehin eher gering geachtet wird). Die Aufgabe besteht darin, eine fiktive, in eine bestimmte historische Epoche zurückversetzte Selbstbiografie zu schreiben. Grundlage dafür ist die Idee der Wiedergeburt: „allen Lehrern und Schülern war die Vorstellung geläufig, daß ihrer jetzigen Existenz frühere vorangegangen sein könnten, in anderen Körpern, zu andern Zeiten, unter andern Bedingungen.“

Drei solcher Lebensläufe, die Josef Knecht zugeschrieben werden, bekommen wir im Anhang des Buches zu lesen. Werkgeschichtlich sind sie die Überreste von Hesses ursprünglichem Plan. In dem bereits an anderer Stelle zitierten Brief an Rudolf Pannwitz vom Januar 1955 schildert der Autor dieses Vorhaben so:

„Ich dachte mir einen Menschen, der in mehreren Wiedergeburten die großen Epochen der Menschheitsgeschichte miterlebt. Übriggeblieben ist von dieser ursprünglichen Intention, wie Sie sehen, die Reihe der Knechtschen Lebensläufe, die drei historischen und der kastalische.“

Die Lebensbeschreibung Knechts in Kastalien wurde also erst im Entstehungsprozess zum eigentlichen Inhalt des Romans. Die Wiedergeburten fanden als Studienübungen Einzug in die kastalische Welt.

Die drei Lebensläufe sind relativ leicht zu lesen. Obwohl sie in drei sehr unterschiedliche Welten entführen, haben sie ein gemeinsames Thema: das Verhältnis von Meister und Schüler. Sei es der Regenmacher oder der wortkarge indische Eremit: Die weisen Lehrer üben eine magische Anziehungskraft auf die Hauptfiguren aus (was man als Hesse-Leser aus Werken wie „Siddhartha“ kennt). Am interessantesten finde ich jedoch die Erzählung „Der Beichtvater“. Darin begegnen sich Meister und Schüler nämlich nahezu auf Augenhöhe, und zwar in einer Oase, als sie beide, von Selbstzweifeln geplagt, gerade auf dem Weg zum jeweils anderen sind.

Ob die Lebensläufe – wie der Erzähler meint – den „vielleicht wertvollsten Teil“ des Buches bilden, sei dahingestellt. Sie zeigen in jedem Fall, dass der Weg zur Wahrheit für Hesse über die Weisheit von Lehrmeistern führt – und dann über sie hinaus, durch sie hindurch ins eigene Erkennen. Dabei versucht Hesse, uns mit viel west-östlicher Esoterik vertraut zu machen: Siddhartha lehrt, dass Lehren „nichts als Worte“ sind; der „indische Lebenslauf“ des Fürstensohns Dasa führt in einen meditativen Zustand „jenseits der Bilder und Geschichten“ – und der Student Josef Knecht glaubt sich auf dem „Weg ins Innere des Weltgeheimnisses“. Dergleichen würden bei uns allenfalls extrem idealistische Langzeitstudenten von sich behaupten; für die kastalischen Geister jedoch ist das Realität – sie gleichen eben viel mehr dem Nachwuchs einer mönchischen Elite als einer postadoleszenten Studentenclique.